Tardoc, der Nachfolger des seit 2004 unveränderten TARMED-Tarifs, rückt näher. Nachdem Bundesrat und Tarifpartner (FMH, curafutura, H+) monatelang verhandelt haben, zeichnet sich eine Einigung für die Einführung ab 2027 ab. Für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte ist es höchste Zeit, die Auswirkungen auf den eigenen Praxisumsatz zu berechnen.
Gewinner: Die Grundversorgung
Tardoc wertet kognitive ärztliche Leistungen systematisch auf. Beratung, Diagnosestellung, Koordination und Patientenführung werden besser vergütet als im TARMED. Allgemeinpraktiker, Internisten und Kinderärzte werden im Schnitt von einer Umsatzerhöhung von 8–15 % profitieren — je nach Leistungsmix. Das ist die grösste strukturelle Aufwertung der Grundversorgung seit Jahren.
Verlierer: Techniklastige Fachrichtungen
Fachrichtungen mit hohem Anteil technischer Leistungen (Radiologie, interventionelle Kardiologie, Ophthalmologie) müssen mit Umsatzeinbussen von bis zu 12 % rechnen. Der politische Wille ist klar: Technische Leistungen sind im TARMED überbewertet worden, und Tardoc soll das korrigieren. Betroffene Praxen sollten ihre Businesspläne und Finanzierungsstrukturen jetzt anpassen.
So berechnen Sie Ihre individuelle Auswirkung
Die FMH stellt ein Online-Simulationstool zur Verfügung: Sie laden Ihre Abrechnungsdaten (anonymisiert) hoch und erhalten eine Schätzung, wie sich Tardoc auf Ihren Jahresumsatz auswirkt. Alternativ können Sie mit Ihrem PIS-Anbieter oder Treuhänder eine manuelle Simulation Ihrer Top-20-Leistungspositionen durchführen. Tun Sie das jetzt — nicht erst 2027.
Kantonale Taxpunktwerte bleiben variabel
Auch unter Tardoc werden die Taxpunktwerte kantonal unterschiedlich sein und müssen zwischen den Kantonen und Versicherern neu verhandelt werden. Die ersten kantonalen Verhandlungsrunden starten 2026. Engagieren Sie sich über Ihre kantonale Ärztegesellschaft — die Taxpunktwert-Verhandlung ist mindestens so wichtig wie die Tarifstruktur selbst.