Der Jahresbericht ANRESIS (Antibiotikaresistenz-Überwachungssystem Schweiz) 2025 zeigt eine beunruhigende Entwicklung: Die Rate resistenter Erreger bei ambulant behandelten Infektionen hat sich weiter erhöht. Besonders ESBL-bildende E. coli, Penicillin-resistente Pneumokokken und Makrolid-resistente Mykoplasmen bereiten Infektiologen und Grundversorger Sorge.
Neue FMH-Empfehlungen für Atemwegsinfekte
Für ambulant erworbene Pneumonien empfiehlt die FMH neu: Bei Patienten ohne Risikofaktoren und stabilen Vitalzeichen bleibt Amoxicillin das Mittel der ersten Wahl — jedoch mit expliziter Empfehlung, bei nicht eindeutig bakteriellen Pneumonien einen CRP-geleiteten Ansatz zu verwenden, um Fehl-Antibiotisierungen zu reduzieren. Die Kombination mit Amoxicillin/Clavulansäure als Erstwahl wird ausdrücklich nicht empfohlen.
Harnwegsinfekte: Resistenzgerechte Wahl
Bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen ist Nitrofurantoin (bei GFR über 45 ml/min) oder Fosfomycin weiterhin empfohlen — Trimethoprim zeigt in einigen Regionen der Schweiz Resistenzraten über 25 % und sollte nur noch nach Resistenztest eingesetzt werden. Für komplizierte HWI: immer Urinkultur vor Therapiebeginn, kein empirischer Fluorchinolon-Einsatz ohne klare Indikation.
Stewardship in der Hausarztpraxis: Drei konkrete Massnahmen
Was Sie sofort tun können: (1) Etablieren Sie ein Standard-Gespräch über «warum kein Antibiotikum» — Patienten akzeptieren Verzicht besser, wenn sie eine Erklärung erhalten. (2) Nutzen Sie Point-of-Care-CRP-Tests konsequent — sie reduzieren Antibiotika-Verordnungen bei Atemwegsinfekten um bis zu 30 %. (3) Empfehlen Sie Delayed Prescriptions («Ich gebe Ihnen das Rezept mit; füllen Sie es nur ein, wenn nach 48 Stunden keine Besserung eintritt») — eine evidenzbasierte Strategie mit hoher Patientenakzeptanz.