Die steigenden Gesundheitskosten dominieren die politische Agenda in der Schweiz wie kaum ein anderes Thema. Im Jahr 2023 wurden KVG-Leistungen im Umfang von CHF 52 Milliarden bezogen — Tendenz steigend. Die Politik reagiert mit einer Vielzahl von Massnahmen, die direkt oder indirekt die ambulante Ärzteschaft betreffen. Ein Überblick über die wichtigsten laufenden Reformprojekte und was sie für Ihre Praxis bedeuten.
Kostendämpfungspakete 1 und 2
Der Bundesrat hat in den letzten Jahren zwei Kostendämpfungspakete verabschiedet. Paket 1 ist seit 2024 in Kraft und beinhaltet unter anderem ein Beschwerderecht der Versicherer gegen kantonale Spitalplanungen, eine Stärkung der Rechnungskontrolle und die Einführung eines Experimentierartikels für innovative Vergütungsmodelle. Paket 2 enthält die umstrittene Einführung einer Zielvorgabe für das Kostenwachstum: Der Bundesrat legt nach Konsultation der Kantone ein maximales Kostenwachstum fest. Wird dieses überschritten, müssen die Tarifpartner Korrekturen vornehmen. Für die ambulante Ärzteschaft bedeutet das: Die Tarife könnten unter Druck geraten, wenn das gesamte Gesundheitswesen die Zielvorgabe überschreitet.
Zulassungssteuerung: Angebotsseitige Kontrolle
Die kantonalen Höchstzahlen nach Art. 55a KVG sind ein zentrales Steuerungsinstrument. Die Logik: Eine hohe Ärztedichte — insbesondere bei Spezialisten in städtischen Gebieten — kann durch angebotsinduzierte Nachfrage zu höheren Gesundheitskosten führen. Indem die Kantone die Zahl der zugelassenen Ärztinnen und Ärzte pro Fachgebiet begrenzen, soll dieser Effekt eingedämmt werden. Die Grundversorger — Hausärztinnen und Hausärzte — sind in den meisten Kantonen von Höchstzahlen ausgenommen, da hier eher Unterversorgung als Überversorgung herrscht.
Ambulante Pauschalen: Die nächste Baustelle
Neben der Einzelleistungsvergütung über TARMED bzw. TARDOC wird auf politischer Ebene zunehmend über ambulante Pauschalen diskutiert. Für bestimmte Eingriffe, die vermehrt ambulant statt stationär durchgeführt werden, sollen Pauschalen die Vergütung vereinfachen und die Kosten transparenter machen. Für die betroffenen Fachrichtungen — insbesondere die operative Medizin — könnte dies erhebliche Auswirkungen auf die Ertragsstruktur haben.
Preissenkungen bei Medikamenten und Generika
Der Bundesrat hat die periodischen Preisüberprüfungen bei kassenpflichtigen Medikamenten verschärft. Zudem soll die Verschreibung und Abgabe von Generika und Biosimilars weiter gefördert werden. Für Praxen, die selbst dispensieren — in der Schweiz betrifft das rund die Hälfte aller Arztpraxen, vor allem in der Deutschschweiz — können die Margenverluste bei Originalmedikamenten ein relevanter Faktor sein. Prüfen Sie Ihr Dispensarium regelmässig auf Optimierungspotenzial.
Wie Sie sich positionieren
Die politische Landschaft im Gesundheitswesen verändert sich rasant. Bleiben Sie über die FMH, Ihre kantonale Ärztegesellschaft und Ihre Fachgesellschaft informiert. Nehmen Sie an Vernehmlassungen teil. Optimieren Sie Ihre Praxisprozesse proaktiv — Praxen, die effizient arbeiten und qualitativ hochwertig dokumentieren, werden von den anstehenden Reformen weniger betroffen sein als solche, die auf den Status quo setzen.