Ärztemangel Schweiz: Neue Zahlen zeigen dramatische regionale Unterschiede

Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) hat seine jährliche Analyse der ärztlichen Versorgungsdichte veröffentlicht. Die Zahlen für 2026 zeichnen ein besorgniserregendes Bild — insbesondere in der Grundversorgung und in peripheren Regionen.

Die kritischsten Regionen

Als kritisch unterversorgt gelten aktuell grosse Teile des Berner Oberlandes, des Jurasüdfusses, des Kantons Jura sowie zahlreiche Gemeinden in Graubünden, dem Wallis und dem Tessin. In diesen Regionen liegt die Arztdichte in der Grundversorgung teilweise 40–60 % unter dem Schweizer Durchschnitt. Patienten müssen für eine Grundversorgungskonsultation durchschnittlich über 30 Minuten fahren.

Altersstruktur als Zeitbombe

Besonders alarmierend ist die Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte: Über 30 % der heute praktizierenden Grundversorger werden bis 2030 in Pension gehen. In einzelnen Kantonen liegt dieser Anteil noch höher. Da die Ausbildungskapazitäten an den Schweizer Medizinfakultäten nur langsam wachsen, ist eine kurzfristige Entschärfung der Situation nicht in Sicht.

Chancen für junge Ärztinnen und Ärzte

Für Ärztinnen und Ärzte, die eine eigene Praxis planen, eröffnet die Versorgungslücke reale Chancen: In unterversorgten Regionen sind KVG-Zulassungen leichter erhältlich, kantonale Förderprogramme werden ausgebaut, und der Patientenstamm baut sich rasch auf. Wer bereit ist, in einer ländlichen oder semiruralen Region zu praktizieren, findet heute ideale Bedingungen für eine Praxisgründung.

Politische Massnahmen im Überblick

Als Reaktion auf die Versorgungslücke haben mehrere Kantone neue Programme lanciert: Zinslose Anschubfinanzierungen für Praxisgründungen in Mangелgebieten (Kanton Bern: bis CHF 80’000), Wohnsitzprämien, Stipendienprogramme für Landarztstudium und beschleunigte Zulassungsverfahren. Eine vollständige Übersicht der kantonalen Programme finden Sie beim Bundesamt für Gesundheit.

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