Die Ablösung des in die Jahre gekommenen TARMED durch einen neuen ambulanten Arzttarif beschäftigt die Schweizer Ärzteschaft seit Jahren. Der TARDOC — entwickelt von der FMH und curafutura — sowie das Gegenmodell der Tarifpartner santésuisse stehen im Raum. Für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte ist es entscheidend, die Auswirkungen auf ihre Praxisfinanzen zu verstehen.
TARMED: Veraltet, aber noch in Kraft
Der TARMED wurde letztmals 2018 durch den Bundesrat mit einem Noteingriff angepasst. Seither ist er faktisch eingefroren. Die Folge: Viele Leistungen sind nicht mehr kostendeckend abgebildet, besonders zeitintensive Konsultationen in der Grundversorgung werden ungenügend vergütet. Gleichzeitig fehlen neue Positionen für innovative Behandlungsmethoden und digitale Leistungen wie Telekonsultationen.
TARDOC: Was der neue Tarif bringt
Der TARDOC soll eine sachgerechte Vergütung ärztlicher Leistungen sicherstellen. Er basiert auf einer aktualisierten Kostenrechnung und bildet die ärztliche Arbeitszeit, die technische Leistung und den Infrastrukturaufwand realistischer ab. Besonders die Grundversorger — Hausärztinnen und Hausärzte, Kinderärztinnen und Kinderärzte — sollen profitieren, da zeitaufwändige Konsultationen besser vergütet werden.
Taxpunktwert: Kantonal verschieden
Der Taxpunktwert (TPW) wird kantonal zwischen den Ärztegesellschaften und den Versicherern ausgehandelt. Er variiert erheblich: von rund CHF 0.82 in gewissen Kantonen bis über CHF 1.00 in anderen. Der TPW multipliziert mit der Anzahl Taxpunkte einer Leistung ergibt den effektiv vergüteten Betrag. Bei einem Tarifwechsel wird der TPW voraussichtlich neu verhandelt — mit unklarem Ausgang für die verschiedenen Fachrichtungen.
Was Sie jetzt tun sollten
Analysieren Sie Ihren aktuellen Leistungsmix und berechnen Sie, wie sich ein Tarifwechsel auf Ihre Erträge auswirken könnte. Die FMH bietet einen TARDOC-Rechner an, der Ihnen eine erste Einschätzung ermöglicht. Optimieren Sie bereits jetzt Ihre TARMED-Abrechnung — viele Praxen verschenken Umsatz, weil sie Positionen nicht korrekt oder nicht vollständig erfassen. Ihre kantonale Ärztegesellschaft bietet hierzu Schulungen und individuelle Praxisberatungen an.